
Mit der vierten Veranstaltung unseres „Arendt-Kollegs“ eröffnete der Grundkurs Deutsch des Abiturjahrgangs 2027 am 07.10.2026 das Hannah-Arendt-Jahr anlässlich ihres 120. Geburtstages.
Eindringlich, klar, direkt – so begegnet uns Hannah Arendt in ihren Aufsätzen und Abhandlungen. Am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren, wurde sie zu einer der bedeutendsten politischen Denkerinnen ihrer – und unserer – Zeit. Sie beschäftigte sich mit Macht und Freiheit, Verantwortung und Totalitarismus, aber auch mit der Frage, was es bedeutet, als Mensch in einer Gesellschaft zu leben und in dieser verantwortungsvoll zu handeln. Dabei scheinen viele ihrer Ideen und Theorien heute so aktuell wie nie.
Weniger bekannt ist allerdings, dass Arendt auch zahlreiche Gedichte schrieb. Und während ihre philosophischen und politischen Texte oft von großen Begriffen und grundlegenden Fragen geprägt sind, begegnen wir in ihren Gedichten einer sehr persönlichen, manchmal beinahe alltäglichen Stimme. Es geht um Aufbruch und Abschied, um Heimat und Erinnerung, um Nähe und Distanz, um zwischenmenschliche Beziehungen und Einsamkeit. Arendt beobachtet Menschen, Situationen und kleine Momente – und macht daraus Verse, die zugleich persönlich und überraschend zeitlos wirken.
Ihre Gedichte entstanden über viele Jahrzehnte hinweg und begleiteten unterschiedliche Stationen ihres bewegten und bewegenden Lebens. Sie waren nicht das Zentrum ihrer öffentlichen Arbeit und wurden zu ihren Lebzeiten kaum als eigenständiges literarisches Werk wahrgenommen. Gerade deshalb lohnt es sich, diese weniger bekannte Seite Hannah Arendts heute – im Jahr ihres 120. Geburtstages – in den Mittelpunkt zu stellen.
Daher hat sich der 12er Grundkurs unseres Hannah-Arendt-Gymnasiums intensiv mit diesen Gedichten auseinandergesetzt und daraus ein Programm entwickelt, welches nun, in der Woche vor Arendts Geburtstag, präsentiert wurde. Dabei ging es nicht nur darum, Arendts Worte vorzutragen, sondern ihnen Raum zu geben: für Bilder, Gedanken, Begegnungen und Fragen, die über ihre Zeit hinausweisen.
Die Ergebnisse sprachen für sich: Egal ob aufwendig animierte Videos, geheimnisvolles Schattenspiel, sanfte Töne von Klavier und Klarinette oder eindringliche Performances – die Schülerinnen und Schüler ließen die Texte lebendig werden und präsentierten Arendt einmal anders – nicht als politische Denkerin, sondern als philosophische Dichterin.
Mit Souveränität und Leichtigkeit manövrierte sich der Kurs durch den Abend und ließ sich auch von anfänglichen technischen Schwierigkeiten nicht aus dem Konzept bringen. Und so nahmen am Ende des Abends alle erleichtert und stolz Beifall und Blumen entgegen.
Ein gelungener Auftakt im Jubliäumsjahr. Vielen Dank und bravissimi!
Text: Frau Böhme
Bilder: Herr Roschlau
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